"Wirtschaft der Türkei bricht dramatisch ein"

"Wirtschaft der Türkei bricht dramatisch ein"

"Wirtschaft der Türkei bricht dramatisch ein"

"Wirtschaft der Türkei bricht dramatisch ein"

Die türkische Wirtschaft erleidet den heftigsten Einbruch seit mehr als einem Jahrzehnt - und Erdoğan ist schuld.

Da ich in Deutschland und in der Türkei beheimatet bin, kann ich die deutsche Pressemeldungen voll umfänglich bestätigen; ja wirklich! Letztens hatte meine Frau während des Hinflugs in die Türkei das Frühstückstablett in die Handtasche gepackt, weil Sie kein Hunger hatte. Wer hätte geahnt, dass uns das vor dem Hungertod bewahrt hat?

Während der 2 Wochen in der Türkei, haben wir uns - zusammen mit zwei weiteren hungrigen Mäulern - von einem Croissant,10gr. Butter, einer Marmeladen- und Nutella-Portion sowie einer einzigen Käsescheibe mit etwas Kräutern ernährt. Dazu gab es schwarzen Tee; wohlgemerkt im Flieger ein Teebeutel abgestaubt, den wir uns ständig neu aufgekocht haben.

Nach dem Rückflug hat man uns am Stuttgarter Flughafen einfach durchgewunken; ohne Corona-Test. Ich hatte das ungute Gefühl, dass das an unserem Geruch liegt. Schließlich gab es in der Türkei auch kein fließendes Wasser, geschweige denn ein funktionierendes WC.

Die Mehrheit der Bürger ist meiner Einschätzung nach infolge der Wirtschaftskrise extrem verarmt. Die hatten noch weniger als den Hungertuch, an dem sie herumnagen könnten. Viele leben von der Hand in den Mund. Ärzte haben bereits Mangelerscheinungen bei Kindern und Erwachsenen festgestellt.

Jobs gibt es nur als Tagelöhner und damit kann man sich am Tag gerade mal 200gr. Brot, etwas Weichkäse und ein paar Oliven leisten; wenn es diese Lebensmittel in der Theke überhaupt noch gibt. Meist sind in Supermärkten ganze Regalreihen leer. Bei einem durchschnittlichen Haushalt mit 7 Personen, kann sich jeder selbst ausmalen, wie es um diese Menschen bestellt ist.

Die Privatwirtschaft ist entweder hoch verschuldet oder hat bereits Konkurs angemeldet. Der Staat hat bislang keine Hilfen in Aussicht gestellt. Deswegen blutet das Land auch aus; die Macher dieses Landes emigrieren ins Ausland. Schätzungen zufolge haben seit der Corona-Krise über 500.000 Menschen laut der Internationalen Organisation für Migration (IOM) das Land verlassen.

Der Staat hat nach massiven Steuerausfällen auf ausländische Waren extrem hohe Steuern angesetzt, weshalb es deutsche Automobile nur zu horrenden Preisen gibt. Wer dennoch nicht auf Esel oder Anadolu umsteigen will, sucht sich eines der noch fahrbaren Oldtimer E-Klasse Modelle, die gegen Haus, Hof oder Gold umgetauscht werden.

Mich persönlich hat eine Szene ziemlich erschüttert. Im alten Istanbuler Basar wollte ich das Nobel-Steakhouse von Nusret aufsuchen. Irgendwie landete ich aber eine Gasse weiter hinten, wo auch der Hinterausgang des Restaurants ist. Da sah ich drei Männer, die einen Maulesel schlachten wollten. Als ich Sie darauf ansprach, was das denn sein solle, sagten sie mir mit gesenkten Häuptern, dass die Steaks nicht mehr in der Qualität und zu dem Preis verkauft werden könnten. Der Chefkoch hätte die Order gegeben, Ersatzfleisch zu beschaffen, um mit dem gleichbleibenden Verkaufspreisen über die Runden zu kommen. Während er das sagte, schnappte sich ein anderer eine Ratte, so groß wieder der Kater vom deutschen Nachbar.

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Selbstverständlich stimmt das alles nicht!

Alle Restaurants von Nusret in Istanbul können sich vor lauter Gästen nicht retten, und das Fleisch ist immer noch so wie vor 4 Jahren.

Seit mehreren Jahren trat keines der Vorhersagen der deutschen Presse über die Türkei ein. Bislang wurde die türkische Wirtschaft nicht an die Wand gefahren. Die größten Banken und Konzerne verzeichnen trotz der Corona-Krise stattliche Gewinne. Der Staat kann das Steueraufkommen nach Belieben hoch und runter setzen. Es scheint offenbar niemanden so richtig zu interessieren; was den Verdacht erhärtet, dass die Türken unter ihren Kopfkissen Tonnen von Gold verstecken und es sie daher nicht tangiert.

Dieses Kopfkissengeld reicht allemal für die neuesten PKW-Modelle aus Deutschland, so zumindest mein Eindruck. Alle 6 Monate wird von den Verbrauchern ein angekündigter Modellwechsel anstandslos angenommen. Der Immobilienmarkt boomt wie noch nie.

Selbstverständlich hat auch die Türkei Probleme!

So eine Corona-Krise, die in vielen Ländern mit einem Lockdown einherging und weitere im Gespräch sind, hat auch die türkische Wirtschaft hart getroffen. Aber in der Türkei sieht man, anders als in Deutschland, nicht den Bedarf, sich mit Schwanzlängenvergleichen oder Schwarzmalerei über andere Länder und deren Wirtschaftskraft zu profilieren oder lustig zu machen.

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