Türkei - Bislang 91 Morde an Frauen

Türkei - Bislang 91 Morde an Frauen

Türkei - Bislang 91 Morde an Frauen

Türkei - Bislang 91 Morde an Frauen

Der Verein "Wir stoppen Frauenmorde" hat in diesem Jahr in der Türkei bislang 91 Fälle von Morden an Frauen (Femizide) registriert. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Rückgang um rund 57 Prozent. Laut Experten greifen die staatlichen Maßnahmen zu Gewalt an Frauen und Kindern. Für den Verein ist aber jede einzelne Frau, die Opfer von Gewalt wurde, eine zu viel.

Nach Angaben der WHO sowie der UN ist Gewalt weltweit ein weit verbreitetes Problem, vor allem jetzt während der Covid-19-Krise. Es betrifft Frauen, Männer, Jungen und Mädchen in allen Ländern und unabhängig des Alters, der Herkunft, der Religion, der ethnischer Zugehörigkeit, der Kultur oder dem Wohlstand. Statistisch gesehen sind Frauen und Kinder (sowohl Jungen als auch Mädchen) am stärksten von häuslicher Gewalt betroffen und werden häufig von Männern begangen, die die Opfer kennen und denen sie vertraut haben. Das geht auch aus einem Bericht der türkischen Polizeidirektion für die Jahre 2016 bis 2018 hervor.
 

Türkei - Morde an Frauen nach Jahren
Türkei - Morde an Frauen nach Jahren

In der Türkei wurden 2019 insgesamt 474 Morde an Frauen verübt; der bislang höchste Stand an Femiziden seit 2013 (237). Der Anstieg hatte nicht nur die Frauenorganisationen alarmiert, sondern auch die Regierung. Frauenrechtsorganisationen machen seit Jahren auf die steigenden Frauenmordraten aufmerksam. Mitte 2018 beschloss die Regierung dann, eine Fülle von Maßnahmen in die Wege zu leiten, die diese Morde an Frauen stoppen sollen.

Mit der Smartphone-App "Kades" gab der Staat August 2018 den Frauen die erste Möglichkeit in die Hand, sich im Notfall mit einem Aufruf der App einen Notruf an die nächstgelegene Polizeistation anzustoßen, die dann per Ortung des Handys zur Hilfe eilen. Die App wurde bislang rund 425.000 mal heruntergeladen und bislang auch 24.000 mal aktiv benutzt.

Zudem stockten das Innenministerium in den Polizei- und Gendarmeriebehörden nicht nur die landesweiten Dezernate um 1.000 auf, sondern auch das Personal um weitere 5.000 Beamte, die in den Dezernaten für Gewalt gegen Familie, Frau und Kinder arbeiten.

In den letzten Monaten wurden laut einem Bericht der Nachrichtenagentur Anadolu 55.000 Sicherheitskräfte auf die Gewalt gegen Familie, Frau und Kinder in Schulungen sensibilisiert. Das Innenministerium will diesem Bericht nach bis Ende 2020 bis zu 250.000 Sicherheitskräfte zu diesem Thema schulen.

In Zahlen zusammengefasst, konnten die Behörden in diesem Jahr bislang in rund 103.000 Fällen vorläufigen Schutz gewährleisten, was im Vergleich zum Vorjahr einen Anstieg um 71 Prozent bedeutet. Des Weiteren wurden 13.900 gerichtliche Maßnahmen zum Schutz vor Gewalt und Nachstellungen erwirkt. Das ist im Vergleich zum Vorjahr ein Anstieg um 92 Prozent.

Weltweite Frauenmordrate
Weltweite Frauenmordrate

In der Europäischen Union ist Deutschland im Jahr 2018 das Land mit den meisten Femiziden gewesen, gefolgt von Frankreich. Fast die Hälfte aller Morde an Frauen in Deutschland erfolgte durch den Partner oder Ehemann der Frau. Für den Berichtszeitraum 2018 wurde zum ersten Mal nach vollendeten und versuchten Taten unterschieden. 122 Frauen kamen danach 2018 in Deutschland durch Mord- und Totschlagsdelikte ums Leben, für die ein Partner oder Ex-Partner tatverdächtig war; weitere 206 wurden Opfer versuchten Mords oder Totschlags.

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