Mustafa Koçak nach 296 Tagen tot

Mustafa Koçak nach 296 Tagen tot

Mustafa Koçak nach 296 Tagen tot

Mustafa Koçak nach 296 Tagen tot

Mustafa Koçak ist nach 296 Tagen Todesfasten heute im Kırıklar-Gefängnis von Izmir gestorben. Wegen Mitgliedschaft in einer Terrororganisation und Beschaffung von Tatwaffen saß Koçak eine lebenslange Haftstrafe ab.

Mit den Tatwaffen wurde am 31. Mai 2015 der türkische Generalstaatsanwalt Mehmet Selim Kiraz nach einer 6-stündigen Geiselnahme mit einem Kopfschuß hingerichtet, nach dem man den Forderungen der DHKP-C Terroristen Şafak Yayla und Bahtiyar Doğruyol nicht nachgekommen war. Aufgrund eines Schusswechsels hatte die Sondereinsatzgruppe der Polizei einen Befreiungsversuch gestartet, wobei die zwei Geiselnehmer dabei getötet wurden.

Am 4. April 2017 wurde Mustafa Koçak von einem Kronzeugen schwer belastet und kam in Untersuchungshaft. Laut dem Kronzeugen habe er im Beisein gehört, wie Mustafa Koçak erklärt habe, die Waffen für Şafak Yayla und Bahtiyar Doğruyol besorgt zu haben. Zudem wurde ihm und Cengiz Özel, der ebenfalls verhaftet und verurteilt wurde sowie auch im Todesfasten befindet, vorgeworfen, die beiden Geiselnehmer in der Wohnung aufgenommen und die Tat dort geplant zu haben.

Heute ist Koçak nun nach 296 Tagen verstorben, nach dem er wie zuvor Helin Bölek, jede Krankenhausbehandlung oder ärztliche Versorgung verweigert hatte.

Das Todesfasten gehört zu einem der extremen Opferrituale in der jüngeren Geschichte. Sie wird durch die jüngste Entwicklung einer globalen Mediengesellschaft genährt, die es ermöglicht, dass ein als Opferritual inszenierter Suizid potenziell von der Weltöffentlichkeit wahrgenommen wird. Nicht nur wird die Wirkmächtigkeit solcher Akte durch die Medien ermöglicht, sie waren auch verantwortlich für die globale Diffusion dieser politisch motivierten Suizide.

Das Protestrepertoire ist dabei vielfältig. Politische Aktivisten greifen auf dieses Mittel weltweit zurück. Waren es einst PKK-Aktivisten, die sich auf deutschen Autobahnen mit Benzin übergossen und selbst verbrannten, sind es heutzutage Sprengstoffgürtel und sukzessive Selbstmordanschläge mit einem mit Sprengstoff beladenen LKW; oder eben das politisch motivierte Todesfasten.

Der politische Erfolg lässt sich in der Praxis erst gar nicht reproduzieren, wenn man an die Selbstmordanschläge in Europa denkt, darunter das von Ansbach oder dem unmittelbar bevorstehenden Anschlag islamistischer Gefährder in Düren. Es käme keinem in den Sinn, diese Opferrituale gut zu heißen, zumindest nicht in Deutschland.

Die wichtigste Grundlage, mit der ein Opferritual einhergeht, ist die persönliche Kompetenz eines "politischen" Aktivisten.

"Opferbereitschaft"‚ "Loyalität" oder "psychische Belastbarkeit" wollen dabei unter Beweis gestellt werden. Erhält die Opferbereitschaft Zustimmung, wird das Opferritual zum Fanatismus. Da stellt sich unweigerlich die Frage, inwieweit diejenigen, die dieses Opferritual als letztes Mittel des "Aufschreis" und der "Verzweiflung" gegen "Ungerechtigkeiten" bezeichnen und damit das Ritual legitimieren, eine Mitschuld an solchen Protestriten tragen.

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