Maide Töremiş und ihr einsamer Kampf gegen die PKK

Maide Töremiş und ihr einsamer Kampf gegen die PKK

Maide Töremiş vor dem deutschen Bundestag in Berlin

Maide Töremiş vor dem deutschen Bundestag in Berlin

Freie Kurdische Gemeinde in Berlin

Seit mehr als 290 Tagen sitzen vor der Parteizentrale der völkisch-kurdischen HDP in Diyarbakir mehr als 24 betroffene Eltern im Streik, um die Freilassung ihrer Kinder von der PKK zu erreichen. Die kurdischstämmige Berlinerin Maide Töremiş führt diesen Streik seit mehreren Monaten; alleine.

Eine tragische Geschichte einer alleinerziehenden Mutter, deren einziges Kind von einem kurdischen Kulturverein in Berlin indoktriniert wird, um im Südosten der Türkei für die sogenannten Rechte der "Kurden" in den "bewaffneten Kampf" einzutreten.

Maide Töremiş kam 1997 aus der türkischen Metropole Diyarbakir nach Berlin. Sie ist kurdischstämmig und wollte in Deutschland mit ihrem Ehemann einen Neuanfang beginnen. Aus der Ehe stammt die Tochter Nilüfer. Dann aber trennte sich das junge Paar. Sie arbeitete fortan als Altenpflegerin und zog das Kind alleine auf.

Ihre Arbeit als Altenpflegerin war hart und mühsam, aber die Fürsorge für die Tochter sollte darunter nicht leiden; dass betont Maide immer wieder. Nilüfer bekam Liebe und die Fürsorge, um es bis ins Gymnasium zu schaffen. Dann kam Nilüfer in Kontakt mit Freundinnen, die ihr nahelegten sich ihrer Herkunft und dem kurdischen Volk bewusst zu werden.

Von da an, so erklärt es die Mutter, habe sich ihre Tochter verändert. Sie sei immer öfter im Verein der Freien Kurdischen Gemeinde in Berlin "abgehängt", auch dann noch, als sie ihr erklärt habe, dass diese "Kültürgeschichten" ihr nichts bringen werde, sie sich von solchen Leuten fernzuhalten habe, die das "Kurdentum" verherrlichen.

Mit dem Eintritt ins Erwachsenenalter kam dann auch die radikale Entscheidung der Tochter, sich eines Tages von zu Hause zu verabschieden, um in die "Schule" zu gehen und nicht mehr zurückzukommen. Das ist bereits 7 Monate her. Nur einmal habe sich Nilüfer noch kurz gemeldet, aus der Schweiz - einer weiteren europäischen Hochburg der PKK.

Seither hat Maide jede Tür eingerannt, auch die des kurdischen Kulturvereins in Berlin. Weder die Stadt, noch die Polizei will handeln. Ein strafrechtliches Vorgehen gegen den Kulturverein will in Berlin kein Anwalt mit tragen. Vor dem Bundestag steht sie seit mehr als 3 Monaten bei Regen und Sonnenschein, um vielleicht eines Blickes würdig zu sein. Bislang ohne Erfolg. Dann wandte sich Maide in ihrer Frust und Not an die Linke-Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen, um sich zumindest ihrer Solidarität sicher zu sein; von Frau zu Frau.

Das wurde ihr zum Verhängnis. Seither muss sich Maide nicht nur mit dem Verlust der Tochter an die PKK beschäftigen, sondern macht sich auch Sorgen um sich selbst. Einen Tag nach der Kontaktaufnahme mit der Linken-Bundestagsabgeordnete Sevim Dağdelen wird sie von einem Unbekannten angerufen. Dieser Anrufer fragt, was Sie von der Sevim Dağdelen wolle, was eigentlich ihr Problem sei. Maide erklärt, der Unterton habe Sie beunruhigt, zumal die Nummer nur wenigen bekannt sei, und was sie von der Politikerin wolle, das habe sie bereits ausführlich erklärt. Hat Sevim Dağdelen den Anrufer auf sie angesetzt, damit Sie von ihr ablässt?

Maide will gar nicht erst Wissen, wie tief die Bundestagsabgeordnete da mit drin steckt. Seither muss sie sich auch auf sozialen Netzwerken anhören, sie sei eine "Verräterin", eine "kurdische Verräterin". Sie selbst erklärt, die PKK habe die Kurden verraten, habe sich zu einem Ungetüm entwickelt, in der die Freiheit eines jeden darin bestehe, zu gehorchen und keine Kritik vorzutragen, keine Kritik aufkommen zu lassen. "Das ist keine Freiheit", sagt sie und zeigt auf die Freie Kurdische Gemeinde in Berlin, vor der sie auf dem Nachhauseweg erneut halt, macht. Man habe ihre Kontaktaufnahmeversuche kategorisch abgelehnt, niemand sei zu sprechen, niemand äußere sich zum Verschwinden der Tochter.

"Alle Türen wurden mir vor der Nase zugeknallt", sagt sie, als wäre sie eine Aussätzige. "Dabei bin ich nur eine besorgte Mutter, die der Tochter ein einziges Mal erklären will, dass das Handeln im Sinne dieses Vereins auch Konsequenzen nach sich ziehen kann." Freiheit bedeute nicht, auf Befehl zu essen, zu schlafen, aufzustehen, keine Beziehung zum anderen Geschlecht einzugehen oder zu morden. Das sei keine Freiheit, sondern eine Indoktrination, wenn diese sogenannte "Freiheit" nicht kritisiert, zur Rede oder infrage gestellt werden könne. 

Es gebe sehr viele Betroffene wie Sie, die sich aber nicht trauen würden, gegen die PKK anzutreten, sagt Maide weiter. Das wolle Sie nun ändern und hat wie in der Türkei die Hoffnung, dass viel mehr Mütter und Väter in Europa aufstehen und sich dieser Indoktrination ihrer Kinder entgegenstellen. Dazu hat sie einen Aufruf gestartet, weil sie glaubt, das während der Covid-19-Maßnahmen eine Ausreise von Jugendlichen kaum möglich sei und viele in anderen europäischen Ländern so lange festgehalten werden, bis die Ausreise ins Ausland möglich ist. Sie hofft, dass diese betroffenen Eltern sich ihr ebenfalls anschließen, um eine Ausreise ihrer Kinder in ein "Kampfgebiet" doch noch verhindern zu können.

Seit mehr als 290 Tagen sitzen vor der Parteizentrale der völkisch-kurdischen Partei HDP in Diyarbakir mehr als 24 betroffene Eltern im Streik, um die Freilassung ihrer Kinder von der PKK zu erreichen. Erst am vergangenen Sonntag tanzte eine Gruppe von HDP-Mitgliedern und Sympathisanten vor dem Streikzelt der Mütter und Väter, als gebe es dieses Problem gar nicht und betreffe sie erst recht nicht. Die Eltern werfen der HDP vor, ihre Kinder für den sogenannten "Kampf" der PKK zu indoktrinieren.

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