Jesiden und das Schweigen im Millerntor-Stadion des FC St. Pauli

Jesiden und das Schweigen im Millerntor-Stadion des FC St. Pauli

Jesiden und das Schweigen im Millerntor-Stadion des FC St. Pauli

Jesiden und das Schweigen im Millerntor-Stadion des FC St. Pauli

Das unsolidarische Verhalten der völkisch-kurdischen Aktivisten Düzen Tekkal, Ronya Othmann, Dersim Dağdeviren, Ali Ertan Toprak und vielen mehr, das Schweigen des Fußball-Erstligisten FC. St. Pauli, die Untätigkeit der Presseorgane und der deutschen Politlandschaft gegenüber Eziden (Jesiden), zeigt auf, welche bemerkenswerte Gleichgültigkeit herrscht und wie man den Verlust der eigenen Glaubwürdigkeit in Kauf nimmt.

Woher rührt diese Gleichgültigkeit gegenüber Minderheiten in Nordsyrien, die, wenn sie sich nicht als Kurden sehen, sich in den Fängen einer völkisch-kurdischen Terrororganisation befinden? Es geht schlichtweg um völkisch-kurdischen Ultranationalismus, die sich in "Rojava" in der letzten Phase befindet! Die "Errungenschaften" dürfen dieser eiskalten Politik nach nicht in Gefahr gebracht werden. Aber, warum spielt Deutschland da mit?

Vor nicht all zu langer Zeit hatte sich eine Solidargemeinschaft gegen den ehemaligen türkischen Profifußballer des FC St. Pauli Cenk Sahin und gegen die Offensive des türkischen Militärs in Nordsyrien gebildet, um unter dem Hashtag #riseup4rojeva für die völkisch-kurdischen Verteidigungseinheiten YPG bzw. YPJ Solidarität zu bekunden; einem syrischen Ableger der PKK.

Die Solidarität wurde also fortgesetzt, als auch Strafen angedroht wurden und die Solidarität ging sogar mehrere Spieltage weiter, so auch am 19. Oktober 2019, als Anhänger des FC St. Pauli im Spiel gegen den SV Darmstadt 98 ein großes Spruchband zeigten: „Biji Rojava“ („Es lebe Rojava“). Sie schwenkten außerdem Fahnen der kurdischen Frauenverteidigungseinheiten YPJ und grölten die Türkei aus.

Sogar Deniz Naki, der völkisch-kurdische ehemalige Fußballer der FC St. Pauli kam zu Wort. Die Südtribüne des Hamburger Klubs, stets besetzt von Ultras, zeigte oftmals auch die Farben Gelb, Rot und Grün – die Farben von "Rojava", der sogenannten autonomen Region in Nordsyrien, in der die Türkei ja eine Militäroffensive gestartet hatte.

In sozialen Netzwerken tippten sich währenddessen völkisch-kurdische Aktivisten die Finger wund, um der von der Türkei als Terrororganisation bezeichneten Gruppen in Nordsyrien einen Persilschein nach dem anderen auszustellen. Noch heute laufen diese Burschen deswegen mit Heiligenscheinen herum, um die örtliche Bevölkerung weiterhin ungestört unterdrücken zu können, wie schon oft berichtet.

Ja, die syrischen Ableger der Terrororganisation PKK, die YPG, PYD, YPJ und wie viele Dreibuchstaben es noch gibt, standen demnach für Demokratie, Meinungsfreiheit, Frauenrechte und etliche zivilisatorische Meisterleistungen in dieser Region. Dieses Bild wurde von hiesigen Politikern wie auch der Presse mutwillig nachgezeichnet und besonders oft unterstrichen, während man die Türkei und Türken als Aggressor und Nationalisten betitelte.

Dabei wich man schon damals geflissentlich Meldungen aus, die dieses Bild hätten stören können. Waren es oft arabische oder turkmenische Minderheiten, die sich in dieser sogenannten autonomen Region in Nordsyrien namens "Rojava" nicht wohlfühlten, ja sogar von Unterdrückung und politischen Morden berichteten, so gesellten sich denen später noch die christlichen Assyrer und Aramäer hinzu, die nicht über das Potential verfügen, ihre Hilferufe bis in das Millerntor-Stadion zu tragen.

Nicht einmal die jesidisch-kurdische deutsche Fernsehjournalistin, Autorin, Redakteurin, Filmemacherin und Kriegsberichterstatterin Düzen Tekkal, die Ikone, wenn es um Eziden geht, scheint diese durchdringenden Schreie aus Nordsyrien erhören zu wollen. Den ZED kennt Sie offenbar gar nicht, oder die ZED kennen Tekkal nicht als repräsentative Person an. Tekkal poliert allerdings als Showmasterin ihr eigenes Image mit Eziden auf.

Wohl deshalb sah sich der Zentralrat der Eziden in Deutschland gezwungen, sich über Twitter austauschen. Vor genau 2 Wochen teilte der ZED über Twitter in einer Pressemitteilung mit, dass die "Rekrutierung und Entführung von Ezidinnen und Eziden durch die PKK in Shingal" aufzuhören hat. Man forderte in der Pressemitteilung die Führung der PKK auf, die von ihr entführten Ezidinnen und Eziden unverzüglich freizulassen. Das ganze wurde mit Hashtags wie #Shingal #Eziden #PKK betont.

Dieselbe Forderung stellen seit über einem Jahr Mütter und Väter vor der völkisch-kurdischen Parteizentrale HDP in Diyarbakir und eine einzelne Mutter in Berlin. Vergebens, denn in Deutschland werden solche Vorkommnisse und Berichte konsequent ausgeklammert.

Spätestens jetzt, nach dem der ZED eine alarmierende Botschaft verkündet hat, hätte Tekkal das Ohr zuspitzen müssen, aber weder Sie noch irgend ein völkisch-kurdische/r Aktivist oder Aktivistin hatten dazu etwas zu sagen bzw. wollten diesen Tweet teilen; auch nicht nach 2 Wochen. Und die Südkurve des Millerntor-Stadions des FC St. Pauli, die Ultras dieses Fußballvereins, die vor Monaten noch in Ekstase gerieten?

Auch nach 2 Wochen, seit dem dieser Tweet veröffentlicht wurde, hat sich keine einzige moralische Instanz dazu geäußert, geschweige denn, diesen Tweet geteilt. Der Zentralrat der Eziden traf auf ein Schweigen im Blätterwald. Nur das Hintergrundrauschen des Universums ist seither zu hören.

Weder diese Aktivisten, noch die Südkurve des FC St. Pauli, weder die Politik noch die Presse, wollen dieses heiße Eisen anfassen. Das Thema ist so heiß, dass sogar die Ultras sich in die Hosen machen, wenn es um kurdischen Ultranationalismus geht, der in Nordsyrien ungestört seine Umtriebe verbreitet.

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