Einst Feinde von Atatürk, nun Freunde?

Einst Feinde von Atatürk, nun Freunde?

Hayko Bağdat : "Freund der Islamisten"

Hayko Bağdat : "Freund der Islamisten"

Der im Exil lebende armenische Journalist Hayko Bağdat und die armenischstämmige "Menschenrechtsaktivistin" Jaklin Chatschadorian sprechen in Zusammenhang mit der Umwandlung der Hagia Sophia von einem Museum zu einer Moschee über Erfahrungen mit Erdoğan.

Was derzeit in der Empörungskultur in Deutschland ins Auge sticht ist, dass der türkische Republikgründer Mustafa Kemal Atatürk als Bollwerk gegen den sogenannten "Islamismus" in der Türkei eiligst Stein für Stein wieder aufgebaut wird, nach dem man ihn Jahrzehnte lang selbst abgetragen hat.

Was wurde Atatürk nicht alles unterstellt, mit welchen noch so grausam verklärten "Menschheitsverbrechen" wurde Atatürk nicht in Verbindung gebracht, bis Erdoğan an die Macht kam und damit auch die Feindschaft noch intensiver mit gepflegt wurde. Waren es nicht gerade diese Bemühungen, die bei sogenannten "Nationalislamisten" solche flachsen im Hirn hinterließen?

Dieser plötzliche Sinneswandel gegenüber Atatürk, vor allem unter Exilanten und mitunter Turkophoben, ist bemerkenswert. Zeigt es doch, wie dieser Typus von Mensch je nach Wind die Fahne neu ausrichtet. Sie sind aber keine Verfechter von Atatürk, sondern Verfechter ihrer selbst, ultimative Narzissten, die glauben, ihre Basis möge es, wenn man je nach Windrichtung Zwietracht sät.

War gestern Erdoğan noch IN und Atatürk OUT, ist nun Erdoğan OUT und Atatürk IN. Entsprechend stimmten beide, Hayko Bağdat und Jaklin Chatschadorian, noch vor Jahren gegen Atatürk und seine Doktrin, gegen die Leugnung mannigfaltiger "Verbrechen", bis hin zum sogenannten "Völkermord". Heute kann Atatürk von ihrer Warte aus betrachtet, gar wieder auferstehen und darf sich nicht nach deutschen Volksmund  nach nur allein im Grabe drehen. 

Dabei sind die beiden nicht allein. Haustürken wie Cem Özdemir oder Burak Çopur baggerten am Fundament Atatürks genauso eifrig mit wie sogenannte "Nationalislamisten" es laut dieser "Erfahrungen" heute tun. All die gegen Atatürk vorgehaltenen großen "Sünden" und vorgeworfenen und verinnerlichten "Verbrechen", sind heute nicht mehr Gegenstand solcher Debatten. Sogar die völkisch-kurdischen Sympathisanten und Fahnenträger der Terrororganisation PKK oder links-marxistisch-leninistische Militante, wünschen Atatürk beinahe herbei. Irre, nicht wahr?

Man ist inzwischen kemalistischer als Kemalisten selbst, türkischer als Türken, nationalistischer als Nationalist, um sogenannten "Nationalislamisten" hineinzugrätschen. Dabei merken sie nicht einmal mehr ihre eigene Abseitsstellung, ihren Foul.

Beide Lager, die Neu-Kemalisten wie Hayko Bağdat und Jaklin Chatschadorian, wie auch die sogenannten "Nationalislamisten", sind aber auf der falschen Spur, gerade weil sie ihre eigene Agenda verfolgen. Wenn für Hayko Bağdat die Hagia Sophia von Geburt an ein Teil seines religiös-ethnischen Erbes ist, so ist die Hagia-Sophia das Erbe aller in der Türkei, die in dieser Region seit mehr als 600 Jahren die Herrschaft ausüben.

Deshalb ist Atatürk und sein Vermächtnis ebenfalls ein Erbe, ein Teil unserer Geschichte und Kultur, und damit müssen die Minderheiten nun mal klarkommen oder nicht. Beides kann unter einen Hut gebracht werden, wie es Atatürk auch verstand, mit den religiösen Oberhäuptern ein Land vor der Fremdherrschaft zu bewahren. Auch das muss allen bewusst werden. 

Heute leben auch dank einer freien Gesellschaft, Minderheiten wie auch kleine Religionsgemeinschaften in relativer Freiheit. Freier als in manch einem europäischen Land, deren Mehrheitsgesellschaft Minderheiten stigmatisiert oder kriminalisiert, religiöser Rechte beraubt oder nicht anerkennen will. Was also in Europa Gang und Gebe ist, soll und darf in der Türkei nicht passieren? Mit Verlaub, was ist denn passiert? Vielleicht sollte man in Europa den moralischen Kompass neu justieren.

Mag sein das Erdoğan polarisiert und Stimmung gegen Atatürk zulässt oder selbst ausübt, aber die größten Kritiker wart ihr selbst. Dieser gesellschaftliche Streit, die durch Polarisierung verursacht wird, wird einen Wandel herbeiführen, die Versöhnung zwischen den religiösen und laizistischen Strömungen einleiten. Das kann mitunter durch einen heftigen und verbalen Schlagabtausch erfolgen und die wird auch ein Ende haben.

Eure Wenigkeit, Hayko Bağdat, Jaklin Chatschadorian und all die militanten und terroristischen Organisationen, die ihr euch dabei die Hände gerieben habt, ihr habt hier keine Rolle mehr und ihr werdet auch keine Rolle dabei spielen, zumal ihr selbst beide Lager gebührend strapaziert habt. Aus diesem Wandel der Türkei wird die Mehrheitsgesellschaft gestärkt hervorgehen, was offenbar nicht nur euch, sondern auch Europa heftige Kopfschmerzen bereitet.

Für mich sind Atatürk und Fatih Sultan Mehmet, all die Persönlichkeiten des Osmanischen Reiches und der Türkei bis heute und darüber hinaus, die das Land durch schwere Zeiten geführt und gelenkt haben, ein Teil meines Erbes. Für euch? Ich frage lieber nicht!

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