Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei

Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei

Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei

Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei

Der Bevölkerungsaustausch zwischen Griechenland und der Türkei wurde mit dem Vertrag von Lausanne am 24. Juli 1923 initiiert, die ein Teil dessen war, was am 30. Januar 1923 zwischen den Staaten vereinbart wurde. Nur wenige Wissen, das mit dem Bevölkerungsaustausch nicht nur die Festlandbewohner betroffen waren, sondern auch Inseln, die sich heute im griechischen Hoheitsgebiet befinden. Kreta war eines davon.

Auf Grund des Vertrags wurden die in Kleinasien ansässigen türkischen Staatsangehörigen griechisch-orthodoxen Glaubens nach Griechenland ausgewiesen, die in dem nun in Griechenland lebenden und in zugefallenen Teil Makedoniens beheimateten griechischen Staatsangehörigen muslimischen Glaubens mussten in die Türkei auswandern. Der Bevölkerungsaustausch betraf die alteingesessene griechische Bevölkerung und die griechisch-orthodoxe Bevölkerung der jungen Republik Türkei nicht.

Kreta hatte zu der Zeit bereits eine ethnographische Wandlung vollzogen. Zwischen 1897-1912 siedelte Sultan Abdülhamid II. die geflüchteten Kretaner muslimischen Glaubens durch den ständig ansteigenden sozialen, politischen und gesellschaftlichen Druck sowie Attentaten und Anschlägen Festland griechischer Extremisten, in Izmir, Mersin, Tarsus und Adana in Kleinasien, sowie in Libanon, Tripoli und Damaskus um. In Libanon und Syrien sind noch immer die Reste der von Abdülhamid II. gestifteten Häuser und Dörfer zu finden, in denen Kretaner untergebracht wurden. Nach 1923 mussten durch den Bevölkerungsaustausch erneut 50.000 Türken die nun griechischen Inseln verlassen. Diesmal wurden sie vermehrt in der Region Cukurova angesiedelt.

1645 eroberten die Osmanen die Insel Kreta und nannten sie fortan als Girit. Im Zuge der nationalistischen Bewegung im Balkan und Griechenland, begangen auch in Kreta die Aufstandsbewegungen Überhand zu nehmen. Am 6. September 1896 richtete die Hohe Pforte den damaligen Schutzmächten eine Note, in der sie die Massaker an türkischen Kretanern scharf verurteilten und die griechischen Einflüsse dafür verantwortlich machten. Die gegenseitigen Massaker und Unruhen ebten nicht ab. Infolge der Unruhen und der Gewaltexzesse flüchteten in ersten Wellen muslimische Kretaner. Auch eine Ernennung von Cevdet Pascha zum Militärgouverneur von Kreta widersprach die griechische Regierung entschieden, obwohl dieser ehemals stellvertretender Wali von Kreta gewesen war und die Insel sehr gut kannte. Griechenland wollte seit langem, das eine Schutzmacht Zug um Zug die Kontrolle über die Insel gewinnt, plädierte für eine Schutztruppe die die Unruhen beenden könnte.

Bereits Anfang 1896 begangen die Unruhen in Kreta und wurden durch Festlandgriechen ständig erneut entfacht, bis 1898 durch die Intervention Frankreichs, Russlands und des Vereinigten Königreichs eine fast vollständige Autonomie Kretas unter der Oberhoheit der Hohen Pforte erzwungen werden konnte. Die Verfolgungen hörten dennoch nicht auf. Die Politik der Eingliederung der Insel zu Griechenland bestand weiterhin. Eingeschmuggeltes Waffengut, eingeschleuste Extremisten aus dem griechischen Festland entfachten weitere Unruhen. Die Wiener Zeitung vom 21. August 1905 zitierte die griechische Regierung, "man könne die Unruhen mit Einbeziehung von eigenen Schutztruppen unterbinden", was faktisch eine Angliederung zum Festland bedeuten würde und in Europa auch so gedeutet wurde. Die Volkskammer in Kreta, jetzt vermehrt durch griechische Kretaner besetzt, begrüßte den Vorschlag und sah es als Anlass, den Anschluss an die Union mit Griechenland erst recht zu forcieren. Der Angliederung der Insel an Griechenland stand nichts mehr im Wege.

1923 mussten die restlichen Kretaner türkischen Ursprungs die Insel Hals über Kopf verlassen, nach dem der Bevölkerungsaustausch beschlossen Sache war. Über diese Kretaner (türkisch Giritli Mübadiller) hat Yüksel Hançerli ein Buch geschrieben. Selbst aus einer Familie abstammend, das im Zuge des Bevölkerungsaustausches in Kleinasien angesiedelt wurde, erzählt der Autor die Geschichte der muslimisch-türkischen Bevölkerung, die aus Kreta in Kleinasien, Syrien und Libanon angesiedelt wurden. Ihre Traditionen, ihr eigenes Dialekt, ihre Lebensweise werden mit Fotos und Erzählungen erklärt. Das Buch wurde vor kurzem für einen Dokumentarfilm verwendet. Der TRT-Dokumentarfilm "Zerrissene Familien - Ausgetauschte Kretaner" soll Zeuge eines Zeitabschnitts sein. Die Dokumentation erzählt die Geschichte der Kretaner, die im Jahre 1924 in die Türkei einwanderten und wurde innerhalb von zwei Jahren fertig gestellt. Die erste Dokumentationsvorstellung fand in Adana statt, eines der Orte, in denen Kretaner angesiedelt wurden. Andere Orte werden im zweiten Abschnitt des Dokumentarfilmes vorgestellt, darunter Damaskus und Tripoli, in denen Kretaner Leben, die ihren türkischen Ursprung längst vergessen haben oder aus der Lebenssituation heraus zu verbergen versuchen.

Ali Bekraki, ein Libanese mit kretanischen Wurzeln die damals durch Abdülhamid II. in Tripoli angesiedelt wurden, erzählt, das bereits 1977 griechische Touristen während der Besuche im Dorf Hamidiye auf das kretanisch-griechische Dialekt aufmerksam wurden. Ein Mitgereister Journalist der griechischen Tageszeitung Tachydromos fädelte danach einen Besuch mit rang hohen griechischen Regierungsvertretern ein. Diese unterbreiten dem Vater Ibrahim Bekraki den Vorschlag, ins Christentum zu konvertieren um nach Griechenland umzusiedeln. Alle erdenklichen wirtschaftlichen Hilfen würden ihnen dabei helfen. Der Vater entgegnete, "wären wir Griechen und Christen, hätten wir nicht aus Kreta fliehen müssen. Das hätten weder mein Vater noch mein Großvater akzeptiert". Dr. Ali Bekraki sagt, das gleiche Angebot habe man 1988 erneut vorgetragen. Die Familie Bekraki ist eines der ersten und einer von 3.000 muslimischen Kretanern, die in Tripoli angesiedelt wurden und immer noch leben.

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